• 1990

    Wende - Die Gemeinden der ehemaligen DDR erhalten ihre Selbstbestimmung zurück. Viele Gemeinden sind mit ihrem ehrenamtlichen Bürgermeister und Gemeindesekretär mit der veränderten Rechtslage und dem Wust neuer Verwaltungsvorschrifen überfordert. So auch in Dechtow.


  • 1992

    Ämterbildung - Mit der Amtsordnung in Brandenburg gibt es eine Gemeindeverwaltungsreform, die den selbständigen, jetzt ehrenamtlich geführten Gemeinden, eine schlagkräftige hauptamliche Verwaltung zur Seite stellt.


  • 1993

    Kommunalwahl - Dechtows Haushalt ist desolat, es müssen unpopuläre Entscheidungen getroffen werden - der alte Gemeinderat stellt sich nicht mehr der Wahl. Einige Bürger gründen die "Initiative Dechtow" die die nächsten beiden Wahlperioden die meisten Gemeindevertreter stellt.


  • 1994

    700 Jahre Dechtow - Seit Jaren findet wieder ein großes Dorffest statt. In den Folgejahren schafft es Dechtow den Haushalt zu konsolidieren und insbesondere mit Mitteln aus der Dorferneuerung und Arbeitsförderungsmaßnahmen das Dorf wieder zu gestalten. Höhepunkte werden die seit 1996 jährlich durchgeführeten Erntefeste der "Unterdörfer".


  • 1995

    Die Leihbeamten aus NRW im Potsdamer Innenministerium bemühen sich verstärkt, die Strukturen ihres Heimatlandes auch Brandenburg überzustülpen. In den Parteien die im flachen Land Brandenburgs so gut wie nicht vorhanden sind, finden Sie Rückhalt in ihren Bemühungen.


  • 1996

    Innenminister Ziel geht in die Offensive und fordert öffentlich eine Gemeindereform. Im Gegenzug formiert sich der Kleingemeindebund. Die Regierung gibt viel Geld für Kommissionen aus, stellt aber aus Angst vor Stimmverlusten bei den nächsten Landtagswahlen ihre Bemühungen mehr oder weniger ein.


  • 1998

    Vor den Landtagswahlen zieht der hinzugezogene General Schönbohm (CDU) durch das Land und verspricht den ehrenamtlichen Bürgermeistern, ihre Gemeinden und ihre Stellung zu stärken.


  • 1999

    Auch durch die Wahlversprechen Schönbohms kommt die CDU in die Regierung. Es gibt eine unheilige Koalition mit der SPD. Der Ex-General wird Innenmnister.


  • 2000

    Schnell erkennt der General die Gemeindereform als Schlachtfeld, auf dem man Stärke und Durchsetzungsvermögen beweisen könne. Kurz nach der Wahl sind alle Wahlversprechen für die Katz.
    Vom Innenministerium wird eine Schlacht um die Gemeidereform entfesselt. Beauftragte des Innenministers ziehen durchs Land. Das Kopfgeld wird aufgewärmt. Bunte Hefte für Millionen DM werden gedruckt. Gemeindevertreter werden massiv unter Druck gesetzt. Es werden keine Mittel gescheut, die Gemeinden Brandenburgs "freiwillig" zu fusionieren. Der materielle Aufwand wird nie zu ermitteln sein, hat aber mit Sicherheit zu Brandenburgs Schuldenstand nicht unwesentlich beigetragen.


  • 2001

    Es gründet sich der Gemeindetag Brandenburg. Der Kleingemeindebund geht in ihm auf. Der Widerstand erhält insbesondere drch die Verwaltungskraft des Amtes Schänkenländchen eine neue Qualität.
    Für ein Entgegenkommen im Bundesrat ringt Schönbohm dem damaligen Ministerpräsidenen Stolpe, der sonst nie deutlich Stellung bezieht, ab, sich erstmals öffentlich zum Zwang bei Gemeindefusionen zu bekennen.


  • 2002

    Mit Vorschaltgesetzen wird die Gemeindereform vorbereitet. Teile der Gesetze können durch klagende Gemeinden gekippt werden. In großen anderen Teilen sind die Geseze so nichtssagend, daß das Landesverfassungsgesetz feststellt, daß die Gemeinden nicht betroffen seien.
    Gegen die Gemeindereform formiert sich eine Volksinitiative. Sie fordert zusätzlich zum Erhalt der noch bestehenden Gemeinden, die Möglichkeit der Rückabwicklung auch für "freiwillig" zusammengeschlossene. Ohne Probleme übertrifft die Volksinitiative, die notwendige Anzahl von 20.000 Unterschriften um das Doppelte.


  • 2003

    Der Landtag lehnt es ab, sich auf Grundlage der Volksinitiative noch einmal mit dem Thema Gemeindereform zu beschäftigen.
    Mit der Kommunalwahl werden durch sechs Gesetze die bis dato unwilligen Gemeinden zwangsfusioniert. Viele Bürger und Gemeindevertreter veweigern sowohl das aktive als auch das passive Wahlrecht. In einigen Gemeinden kommt es zum Wahlboykott. Grundsätzlich gelingt es aber, formal funktionsfähige Vertretungen zu wählen. Durch zugestandene Üergangsfrsten (meist 5 Jahre) sind auch kleine "Ortsteile" oftmals in "Großgemeindevertretungen" präsent.
    Die Volksinitiative beantragt das Volksbegehren. Am 17. November werden die Unterschriftslisten in den Meldeämtern ausgelegt.


  • 2004

    Bis zum 16. März müssen 80.000 Unterschriften in den Meldeämtern gesammelt sein. Der Wohnort des Unterschreibenden ist uninteressant, er muß in Brandenbrg wahlberechigt sein. Jeder Brandenburger sollte begreifen, daß die so genannte Gemeindereform nur eine Spielart der Entmündigung der Bürger ist und sich jederzeit, auf jedem auch ihm wichtigen Gebiet wiederholen wird, wenn wir Bürger den Regierenden nicht zeigen, wessen Interessen sie eigentlich vertreten sollten.


  • 2011

    Ich bin mal wieder auf der guten alten homepage. Es ist Alles so gekommen wie vorhergesehen. Die Gemeindeordnung hat dei Rechte der "Ortsteile" beseitigt. Viele Ehrenamtliche haben sich zurückgezogen, einige Unermütliche bemühen sich, stoßen aber immer wieder an die Grenzen der Verwaltung, deren Oberhaupt nun mehr nicht mehr Verwaltungschef(In), sondern oberste Legislative ist. Vorbei ist's mit "gallischen Dörfern". Nunmehr findet nicht einmal "Google earth" das Dörfchen Dechtow, sondern landet in Fehrbellin ...